Geologie

Verwall

Die Geologie des Tales ist durch eine markante, tektonische Grenzlinie charakterisiert, die von Osten her südlich der Talsohle bis nach Dalaas verläuft und sich hier gabelt. An der Nordseite des Tales erheben sich die imposanten Kalke der Nördlichen Kalkalpen, während südlich das kristalline Gestein der Zentralalpen (Silvrettadecke) die Landschaft der Verwallgruppe prägt. Mehrere Längstäler entstanden an dieser geologischen Grenze, von denen das Klostertal im äußersten Westen liegt.

Wesentliche Flächen entlang der Nordseite des Klostertals sind als Europaschutzgebiet ausgewiesen. Das Natura 2000-Gebiet Klostertaler Bergwälder mit steil ansteigender Waldfläche bietet Lebensraum für zahlreiche schützenswerte Vogelarten. Dasselbe gilt für das Natura 2000-Gebiet Verwall, das größte seiner Art in Vorarlberg, welches sich teilweise im Gemeindegebiet Klösterle befindet.

Offenkundig ist im Klostertal die Bedrohung durch Naturgefahren aller Art. Aus mehreren Jahrhunderten sich die Berichte von Hochwasser, Murenabgängen, Steinschlag und Lawinen überliefert. Nach der Eröffnung der Arlbergbahn setzte eine intensive Verbauungstätigkeit ein, die bis heute anhält. Die Nordseite des Klostertals kann mit gutem Recht als eine Art „Freilichtmuseum“ der Entwicklung von Verbauungstechniken bezeichnet werden. Die Bewohner des Tales haben von dieser intensiven Bautätigkeit und dem damit verbundenen Schutz vor Gefahren naturgemäß ungemein profitiert.

In früheren Jahrhunderten waren die Menschen diesen Naturgefahren in wesentlich stärkerem Ausmaß ausgeliefert. Ihr Heil suchten sie in der Frömmigkeit, welche die rund 30 Kirchen und Kapellen des Tales bezeugen. Das Vertrauen auf eine höhere Macht drücken auch Bräuche wie der „Jöchergang“ in Braz aus: Traditionellerweise stellten die Bewohner des Ortes in den Abrissgebieten der sie bedrohenden Tobel vier Kreuze auf. Zwei Männer aus den beiden Ortsteilen Außer- und Innerbraz übernahmen jeweils die Verpflichtung, einmal im Jahr „über die Jöcher“ zu gehen. Dabei wurde bei jedem Kreuz gebetet; außerdem verbrannte man geweihte Kräuter und hinterlegte Ablasspfennige. Der traditionelle Brauch – dessen Alter nicht genau bekannt ist – wird in Braz heute noch gepflegt; der anstrengende Marsch ist ein Gemeinschaftserlebnis der besonderen Art.

Allen Verbauungsmaßnahmen zum Trotz zeigt die Natur doch immer wieder ihre immense Kraft. Die Alfenz, welche nach dem Jahrhunderthochwasser von 1910 an zahlreichen Stellen in ihrem Verlauf eingeschränkt wurde, trat im August 2005 über ihre Ufer und richtete bedeutenden Schaden an. Deutlich sichtbar sind bis heute auch die Folgen eines Murenabgangs in Danöfen in jenen Tagen. Im Juli 2010 wurde das Ortszentrum von Klösterle von einem gewaltigen Murenabgang aus dem Wäldletobel betroffen. 26 Häuser und zahlreiche Autos wurden zum Teil erheblich verschüttet, wobei glücklicherweise keine Personen zu Schaden kamen.